Dokumentation
Tätigkeiten beurteilen: die Gefährdungsbeurteilung
Die Gefährdungsbeurteilung ordnet jeder Tätigkeit eine Maßnahmenstufe zu. Aus den verwendeten Produkten, ihren H-Sätzen und der gehandhabten Menge leitet Caventi die Bänder nach dem EMKG-Kontrollbandschema ab, für Einatmen und Hautkontakt (Gd64) und für Brand und Explosion (Gd65).
Der Menüpunkt heißt in der Anwendung "Gefährdungsbeurteilung" (Route /risk-assessment). Die Beurteilung ist beratend und ersetzt keine fachkundige Beurteilung; sie macht die Herleitung aber Schritt für Schritt nachvollziehbar. Diese Seite zeigt, wie Sie den Baum aufbauen und die Bänder lesen. Die Methode selbst, die Gd64- und Gd65-Tabellen, ist in den EMKG-Seiten beschrieben, auf die diese Seite verlinkt.
Der Beurteilungsbaum
Der Baum hat drei Ebenen: Arbeitsplatz, Tätigkeit, Produkt. Sie öffnen ihn über die Sidebar (Gefährdungsbeurteilung); die Einleitung erklärt "Tätigkeiten am Arbeitsplatz nach dem EMKG-Schema beurteilen". Die Arbeitsplatz-Karten sind standardmäßig zugeklappt. Jede Karte trägt die Arbeitsplatz-Eingaben "Lüftung", "Raumgröße" und "Organisationseinheit". Über der Liste durchsuchen Sie den Baum mit "Arbeitsplatz, Tätigkeit oder Produkt suchen" und filtern mit "Filtern nach" auf eine Organisationseinheit; am Fuß lädt "Weitere Arbeitsplätze laden" die nächste Seite (Zähler "21 von 25 Arbeitsplätzen").
Arbeitsplatz anlegen
"Arbeitsplatz hinzufügen" öffnet ein Inline-Feld "Name des Arbeitsplatzes"; nach Enter erscheint der neue Knoten mit seinen drei Eingaben. "Lüftung" (etwa "Natürliche Lüftung") und "Raumgröße" (etwa "Mittel") tragen ein Info-Symbol, das die Bedeutung erklärt; sie dokumentieren den Arbeitsplatz und speisen den Lüftungshinweis, verändern die EMKG-Maßnahmenstufe selbst aber nicht (diese ergibt sich aus Gefährlichkeitsgruppe, Menge und Freisetzung). "Organisationseinheit" ordnet den Arbeitsplatz zu ("Gesamtes Unternehmen" lässt ihn unternehmensweit).
Tätigkeit und Expositionseingaben
Innerhalb eines Arbeitsplatzes legt "Tätigkeit hinzufügen" eine Tätigkeit an. Solange kein Produkt hängt, zeigt die Beurteilungsleiste "Nicht beurteilt", es wird keine Stufe erfunden. Der aufgeklappte Körper gruppiert die Eingaben in zwei Panels: "EXPOSITION" (Dauer pro Tag, Häufigkeit, Mengenbereich, Wirkfläche (Haut), Wirkdauer (Haut), Feuchtarbeit) speist Gd64, "BRAND UND EXPLOSION" (Anwendungstemperatur mit Platzhalter "Raumtemperatur", Aerosolbildung (Versprühen), Geringer Luftwechsel, Instandhaltungsarbeit) speist Gd65.
Gd64: Einatmen und Hautkontakt
"+ Produkt hinzufügen" öffnet eine Auswahl aus dem Produktregister; nach "Hinzufügen" hängt das Produkt an der Tätigkeit und trägt ein Gruppe-Badge (Natronlauge 30%: "Gruppe C", getrieben durch H314; Aceton technisch: "Gruppe A"). Die Beurteilungsleiste zeigt drei Gd64-Bänder: "Gruppe C" (Gefährlichkeitsgruppe beim Einatmen), "Stufe 2" (Maßnahmenstufe) und "Haut HE" (Gefährlichkeitsgruppe Hautkontakt). Ändern Sie "Mengenbereich" von "Klein (g / ml)" auf "Groß (t / m³)", steigt die Stufe live auf "Stufe 3". Erreicht die "Lüftung" des Arbeitsplatzes die nötige Stufe nicht, erscheint der Hinweis "Die Lüftung des Arbeitsplatzes erreicht die empfohlene Maßnahmenstufe nicht."
Jedes Band ist ein Link in die EMKG-Methode: "Gruppe C" führt zur Gefährlichkeitsgruppe, "Stufe 2" zur Maßnahmenstufe, "Haut HE" zum Hautkontakt. Was die Bänder bedeuten und wie die Tabelle rechnet, steht auf der EMKG-Seite.
Gd65: Brand und Explosion
Sobald ein brand- oder explosionsrelevantes Produkt hängt, gewinnt die Leiste zwei weitere Bänder: die Gefährlichkeitsgruppe "pc-C" und die Maßnahmenstufe "Brand/Ex Stufe 1". Aceton technisch (H225) führt zu "pc-C", Natronlauge 30% über H290 zu "pc-B"; maßgebend ist der schlechteste Wert. Auch hier gilt die Menge: "Mengenbereich" auf "Groß (t / m³)" hebt "Brand/Ex Stufe 1" auf "Brand/Ex Stufe 3" (Matrix aus pc-Gruppe, Menge und Freisetzung).
Eine einzige Eingabe eskaliert außerhalb der Matrix. Setzen Sie "Geringer Luftwechsel" auf "Ja", setzt das Modul die nächsthöhere Maßnahmenstufe an: aus Stufe 1 wird Stufe 2, aus Stufe 2 Stufe 3. Erst aus einer Stufe 3 wird so "Brand/Ex Beratung"; diesen letzten Schritt setzt Caventi konservativ um. Da die Menge im Beispiel bereits auf "Groß" steht (Stufe 3), führt "Geringer Luftwechsel" auf "Ja" hier zu "Brand/Ex Beratung"; bei kleiner Menge (pc-C, Stufe 1) wäre es dagegen "Brand/Ex Stufe 2". Ein oxidierendes Produkt (etwa H271) ist dagegen keine Eskalation, sondern eine eigene Zeile der Matrix: die Gruppen pc-D und pc-E führen dort unmittelbar zur "Brand/Ex Beratung", unabhängig von Menge und Freisetzung. "Instandhaltungsarbeit" auf "Ja" verlangt ein Freigabeverfahren, verändert die Maßnahmenstufe aber nicht. Die Einatmen-Seite eines solchen Produkts bleibt unberührt (im Beispiel "Gruppe A" / "Stufe 1"). "Beratung" heißt: keine standardisierte Maßnahmenstufe, sondern fachkundige Einzelfallbeurteilung.
Herleitung der Beurteilung
Das Info-Symbol an der Tätigkeit öffnet den Dialog "Herleitung der Beurteilung: <Tätigkeit>". Er stapelt zwei Modul-Abschnitte, "Einatmen und Hautkontakt (EMKG-Modul Gd64)" zuerst, dann "Brand und Explosion (EMKG-Modul Gd65)". Jeder Abschnitt zeigt "Ergebnis" (die Bänder mit Klartext), eine nummerierte Herleitung und je Produkt eine Karte mit den erkannten Parametern. Fehlt ein Wert, steht ein Hinweis wie "Weder Siedepunkt noch Dampfdruck hinterlegt – Freisetzung konservativ als mittel angenommen." (im Zweifel wird zur sicheren Seite gerundet).
Die Produktkarten führen die H-Sätze als Chips, unverändert und nie übersetzt, samt der Zeile "Eingestuft in Gruppe ... aufgrund von: ..." (bzw. "in pc-B aufgrund von: H290"). So sehen die Chips im Dialog aus:
Aceton technisch: H225 H319 H336 Natronlauge 30%: H290 H314Angezeigt als H-Code-Chips im Dialog "Herleitung der Beurteilung"; unverändert aus dem Produktdatensatz.
Maßnahmen: Auf der Brand-Seite listet der Dialog konkrete Maßnahmen (Schutzleitfäden 100/101/102, 2xx, 3xx, Prüfintervalle ab Stufe 2). Die Einatmen-Seite zeigt keine STOP-Maßnahmenliste, sondern die nummerierte "Herleitung der Maßnahmenstufe". Eine allgemeine STOP-Prinzip-Liste wird in dieser Ansicht nicht ausgegeben.
Bänder als Wegweiser
Die Bänder sind bewusst knapp; die Herleitung erklärt den Einzelfall, die Methode erklären die EMKG-Seiten. Jedes Band verlinkt in die passende Methodenseite (Einatmen/Hautkontakt in Gd64, Brand/Explosion in Gd65). Gibt es für eine Sprache noch keine Methodenseite, bleibt das Band ein reines Etikett ohne Link.
FAQ
Ersetzt die Gefährdungsbeurteilung eine fachkundige Beurteilung?
Nein. Die Beurteilung folgt dem EMKG-Kontrollbandschema und ist beratend. Sie macht die Herleitung nachvollziehbar, ersetzt aber keine fachkundige Beurteilung; "Brand/Ex Beratung" verweist ausdrücklich auf eine Einzelfallprüfung.
Warum sehe ich keine STOP-Maßnahmenliste?
Diese Ansicht gibt keine allgemeine STOP-Prinzip-Liste aus. Konkrete Maßnahmen erscheinen auf der Brand-Seite des Herleitungs-Dialogs (Schutzleitfäden und Prüfintervalle); die Einatmen-Seite zeigt stattdessen die nummerierte "Herleitung der Maßnahmenstufe".
Was passiert, wenn Produktdaten fehlen?
Die Beurteilung läuft weiter und rundet zur sicheren Seite. Der Herleitungs-Dialog markiert die Lücke, etwa "Weder Siedepunkt noch Dampfdruck hinterlegt – Freisetzung konservativ als mittel angenommen.", damit die Annahme sichtbar bleibt.
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